Sanfte Alternative für Schreikinder

Wenn scheinbar gesunde Babys stundenlang schreien, stehen Therapeuten oft vor einem Rätsel: eine eindeutige Ursache für dieses Verhalten ist in der Schulmedizin noch nicht belegt. Koliken als Ursache und die daraus abgeleiteten Therapiemethoden werden seit einigen Jahren von Ärzten und Forschern vermehrt in Frage gestellt. Dafür spricht auch der Erfolg vieler Osteopathen. Bei ihren kleinen Patienten spüren sie immer erst individuelle Ursachen auf und beheben diese. Mit diesem Ansatz ist die osteopathische Behandlung wirksamer als die konventionelle.

Zwei Osteopathen, Uwe Senger und Anke Heber, konnten dies in einer Studie nachweisen. Zwölf Stunden lang schrie der kleine Noah Joel jeden Tag, als seine Mutter mit ihm im Sommer 2006 zu Uwe Senger in die Praxis kam. Schulmedizinisch konnte bei dem drei Monate alten Baby nichts diagnostiziert werden. Auch im Mutter-Kind-Verhältnis sah der Osteopath keine Ursache für das Schreien, die Mutter war sehr liebevoll zu ihrem Kleinen. Neben dem Schreien zeigte Noah Joel aber weitere Auffälligkeiten. Er schaute nur auf eine Seite, überstreckte den Hals und war sehr schreckhaft – Signale, mit denen ein Baby seiner Umwelt mitteilt, dass es sich nicht wohl fühlt. Nach einer eingehenden manuellen Untersuchung stellte Uwe Senger, der seit 1998 als Osteopath arbeitet, bei dem Kind eine Membranspannung innerhalb des Schädels mit Auswirkungen auf die harte Rückenmarkshaut und die obere Halswirbelsäule fest. Daraus resultierten ein erhöhter Muskeltonus und eine gesteigerte vegetative Anspannung. Das Unwohlsein führte dann zu stundenlangem Schreien.

Der Wolfsburger Osteopath behandelte Noah Joel über einen Zeitraum von vier Wochen insgesamt viermal ausschließlich mit seinen Händen. Danach war das Schreien auf ein normales Maß gesunken, die Schreckhaftigkeit ganz verschwunden, die Spannungen gelöst. Die Wirksamkeit der Osteopathie hatte Uwe Senger gemeinsam mit Anke Heber bereits 2003 in der Studie „Die osteopathische Behandlung bei Dreimonatskolik im Vergleich zur konventionellen Therapie“ erstmals auch wissenschaftlich nachgewiesen. Der Vorsprung der Osteopathie gegenüber der Schulmedizin war sehr deutlich. Bei den Kinderärzten sank die Schreizeit der behandelten Kinder im Schnitt um etwa 16 Prozent von 4 auf 3,85 Stunden, bei den osteopathisch behandelten dagegen um deutliche 56 Prozent von 4,8 auf 2,1 Stunden. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Schreiintensität. Auf einer Skala von eins bis zehn sank bei der konventionell behandelten Gruppe die durchschnittliche

Schreiintensität von 53,5 auf 44,0 Prozent. Bei der osteopathisch behandelten Gruppe nahm diese um mehr als das Dreifache ab: von durchschnittlich 58,0 auf 27,5 Prozent. Im Rahmen der Studie waren 45 Säuglinge im Alter von drei bis zwölf Wochen behandelt worden, die nach der allgemein anerkannten Dreierregel von Wessel als Schreikinder galten: ununterbrochenes Schreien, mindestens drei Stunden am Tag an mindestens drei Tagen in der Woche und mindestens drei Wochen hintereinander. 22 der Kinder wurden osteopathisch, 23 Kinder von teilnehmenden Kinderärzten behandelt.

Die Kinderärzte bekamen keine Vorgaben zur Behandlung, konnten also frei die Ihnen richtig erscheinenden Therapien einsetzen. Aus beiden Gruppen konnten jeweils 20 Kinder in die Analyse einbezogen werden. Thema: Hilfe für Schreikinder Verband der Osteopathen Deutschland e.V. Auch wenn die Zahl der Probanden in der Studie niedrig ist, leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Therapie von Schreikindern. „Damit konnte bewiesen werden, was Osteopathen schon lange aus ihrer Erfahrung wissen: die osteopathische Behandlung von Schreikindern ist eine sehr wirkungsvolle Methode“, erklärt Uwe Senger. Umfragen unter Kollegen, die sich auf die Therapie von Schreikindern spezialisiert haben, ergaben eine Erfolgsquote von über 75 Prozent bei ihren osteopathischen Behandlungen. Der Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) rät deshalb Eltern von Schreikindern wie Noah Joel, immer auch einen Osteopathen zu konsultieren.

Betroffene finden einen kompetenten Therapeuten in eigener Nähe auf dem Webportal des VOD unter www.osteopathie.de.

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